ausgeplaudert

Von Tischmanieren und anderen Missverständnissen

Pipi – Kacka – Pups! Pipi – Kacka –Pups …

Im rhythmischen Sprechgesang schaukelt sich Lulu beim Abendbrot in eine Art alberne Ekstase, angestachelt und tatkräftig unterstützt von ihrer älteren Schwester. Mit hochroten Köpfen sitzen die beiden über ihre eigenen Witze lachend – deren Gehalt sich mir nicht auf Anhieb erschließt – vor ihren Tellern. ER und ich versuchen unterdessen, ein Gespräch zu führen: Wie bitte? Sagst du es noch mal? Mädels, könnt ihr bitte einen Moment ruhig sein, ich verstehe Papa doch gar nicht.

Ungeachtet meiner Bitte setzen die beiden ihre kindliche Fäkalunterhaltung fort. Ok, also noch einmal: Ich möchte, dass sich alle am Tisch verständigen können, habt ihr mich gehört? Und außerdem, Lulu, Pipi-Kacka-Pups will ich beim Essen nicht hören, verstanden?

Hahaha – Mama hat es auch gesagt!

Ich verteidige mich: Ja, jetzt kurz, um es euch zu verbieten! Und jetzt ist Schluss mit solchen Begriffen. Vor allem, wenn wir gerade zu Tisch sitzen.

Immer noch kichernd, stecken Pina und Lulu die Köpfe zusammen und tuscheln vor sich hin. Puh – nun können ER und ich wenigstens halbwegs miteinander reden, ohne uns mit Händen und Füßen und ständigem Nachfragen verständlich machen zu müssen. Die plötzlich einsetzende Ruhe motiviert unsere Jüngste allerdings, mit ihrem Spielchen erneut in die Offensive zu gehen. Stetig lauter werdend erschallt es also wieder: Pipi – Kacka – Pups!
Mir reicht es. Schluss jetzt! Ruhe! Ich will das nicht mehr hören! Ich hab es doch gerade im Moment gesagt! Himmel noch mal!!

Betretenes Schweigen nach meinem Ausbruch. Das sitzt. Lulu und Pina sind ruhig. Meine Lust auf unterhaltsames Plaudern hat sich jetzt aber auch gelegt. So sitzen wir also etwas verstimmt in trauter Runde, da fällt mein Blick auf die Wohnzimmeruhr:
Oh nein! Ihr Lieben, ich muss los, meine Bahn fährt ja gleich!
Pina möchte wissen, wo ich abends um diese Uhrzeit noch hingehe.
Ich muss noch kurz in die Uni, dort treffe ich mich mit einer Gruppe lieber Menschen, mit denen ich über ein paar Sachen und Pläne für die kommenden Wochen reden möchte. Weißt du, ich habe dir schon einmal davon erzählt, die Gruppe heißt AG Gender!

Pina nickt wissend, ja, sie erinnert sich. Lulu dagegen guckt mich hochentrüstet an und meint tadelnd:
Mama – das darfst du nicht! Du hast „Stinker“ gesagt!!!

Nein! Habe ich nicht! Und lachend verdeutliche ich ihr den durchaus hörbaren Unterschied zwischen „Dschenda“ und „Schtinka“ …

Wie steht Ihr die Schimpfwortphase durch?

Viele Grüße
Friederike

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Unser Sohn ist 3 und findet alles Fäkalähnliche auch sehr toll. Es wird stolz gepupst und gerülpst. Was willste machen. Das gehört nun mal dazu. Ich erkläre ihm dann, dass man das zuhause durchaus mal machen darf, aber nicht in der Öffentlichkeit, da andere Menschen das eben nicht so amüsant finden. Ich finde es ehrlich gesagt überhaupt nicht schlimm, wenn Kinder Pups, Kacka usw. sagen. Das geht vorbei. Und ich glaube desto mehr Aufmerksamkeit sie damit bekommen, desto mehr verstärkt das ihren Ansporn solche Sachen zu sagen.Und ganz ehrlich, ich haue auch ab und zu mal ein sch…. raus. Also muss ich meinem Kind vermitteln, dass Erwachsene so etwa eben auch ab und zu sagen. Es aber natrülich nicht ok ist. Lg, Dajana

    • Liebe Dajana! Ja – da hast du recht: Daheim und woanders ist klar ein Unterschied. Und das Sch*-Wort rutscht mir auch noch zu oft raus. Wenn ich auch dazu übergegangen bin, ein Schschsch – ande! draus zu machen.;) Mehr als menschlich! Ich will ja auch keine hyperkorrekten Maschinchen! Aber ich habe auch nicht in jeder Situation Lust, mein “Nein” zu Fäkalsprache am Tisch zu erklären. Gewiss “überhöre” ich das oft genug. Nur in dem Fall war an “überhören” aufgrund der Lautstärke echt nicht zu denken… ;) Sonnige Grüße durchs Grau (zumindest hier im Süden der Republik)!

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