ausgeplaudert

Von Männlein, Weiblein und Schamgefühlen

Warum haben Jungs was, das Mädchen nicht haben? Die kleine Tochter unserer Bloggerin Friederike will es ganz genau wissen

Maennlein_Weiblein

Och menno – Mama, wo ist denn mein Penis?

Enttäuscht guckt Lulu nach dem Baden an sich herunter. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen: Was für eine Steilvorlage für Sigmund Freud! Stichwort „Penisneid“ usw. … Ohne jedes Bedauern erkläre ich ihr, dass wir als Frauen eben keinen Penis haben. Dafür haben wir – strahlend fällt Lulu mir ins Wort: Eine Scheide! Ich nicke, ja, sie hat recht. Und schon sind wir mitten im derzeitigen Lieblingsthema unserer Dreijährigen: die Unterschiede zwischen Mann und Frau.

Dass die äußere mit der inneren Geschlechtsidentität bei manchen Menschen nicht so ganz übereinstimmt, interessiert unsere Dreijährige dabei noch herzlich wenig. Sie will vielmehr wissen, ob sie auch mal einen so großen Busen bekommt wie ich. Hach, diese Kinderaugen. Den Begriff „groß“ hätte ich an dieser Stelle nun wahrlich nicht verwendet. Aber auch das bestätige ich: Wenn sie älter wird, so in gut 10 Jahren, wird auch ihre Brust wachsen. Begeistert rennt Lulu zu meinem Kleiderschrank.
Dann will ich auch so was anziehen! Sie hält sich einen BH vor ihren Bauch. Und einen dicken Bauch will sie auch, aus dem kommt dann ihr Baby. Interessiert hake ich nach: Ob sie Mama werden will? Klar! Eigentlich ist sie ja schon Mama, von ihrer Puppe, aber die ist ja nicht so echt. Sie will schon ein echtes Baby, das auch isst und schläft und dem sie dann eine frische Windel machen kann. Weißt du, Mama, ich bin doch schon einen Meter groß – ich kann das. Staunend nicke ich. Ja, wer einen Meter groß ist, der bzw. die kann wahrlich fast alles. Außer eben Mama werden, so in echt.

War sie eigentlich als Baby auch in Papas Bauch? Diesmal verneine ich selbstredend: Nein. Nur bei mir, mein Schatz. Männer können keine Babys im Bauch haben, das können nur Frauen. Lulu bohrt weiter: Gell, aber der Papa hat einen Penis. – So, wie Lulu es ausspricht, klingt es nach einem fairen Abwägen. Ich muss lachen. Sie macht in Sachen Körperlichkeit gerade ihre ganz eigenen Ordnungen, die individuell durchdacht werden müssen und die ihr noch so ganz unbedarft über die Lippen kommen: Bei Mama ist das so, beim Papa anders. Ganz einfach. Und bei Pina? Pina wird dezent rot – mit ihren mittlerweile sieben Jahren ist das Schamgefühl weitaus ausgeprägter als bei Lulu. Ich antworte Lulu, dass Pina ebenso körperlich beschaffen ist wie sie und ich. Zufrieden lehnt Lulu sich zurück: Dann wäre das ja jetzt geklärt. ABER – wie ist das denn nun bei den Omas? Und Tanten? Und die Onkel und Opas? Wir gehen also jede Person unserer Familie durch und klären die jeweilige Geschlechtsidentität – eine Heidenarbeit, bei einer so großen Familie wie unserer. Am Ende haben wir Lulus Wissensdurst glücklicherweise zur vollsten Zufriedenheit gestillt und jede Unklarheit bereinigt. Dachte ich zumindest:

Am nächsten Tag halten wir auf dem Weg zu Oma Anna an einer Raststätte, um einer dringenden Pinkelpause nachzugehen. Lulu und ich verschwinden in einer der Toilettenkabinen. Während sie ihr kleines Geschäft verrichtet, erzählt sie mir unentwegt von diesem und jenem und unterhält auf diese Weise die gesamt Pinkelgesellschaft in den Räumlichkeiten der Frauentoilette. Just in DEM Augenblick, als sie registriert, dass in der Nachbarkabine sowie an den Waschbecken die anwesenden Kinder und Frauen schon anfingen, über ihre lustigen Wortspielchen und Kurzgeschichten zu kichern und zu tuscheln, schmettert sie mit fröhlichem Schalk in den Augen: „Gell, Mama, du hast auch einen Penis!“

Viele Grüße
Friederike

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