ausgeplaudert

Spieglein, Spieglein an der Wand …

SpiegleinSpieglein

Och menno, Mama. Das sieht voll blöd aus. Ich will so wie Anna!

Mit beleidigtem Gesicht kommt Lulu um die Ecke. Papa habe ihr eine blöde Frisur gemacht, sie will statt einem Hundeschwanz (im Fachjargon auch besser als Pferdeschwanz bekannt) lieber eine richtige Anna-Frisur. Die von Frozen (siehe Unser ganz persönliches Familienmärchen). Und schon wieder stecken wir mitten im leidigen Thema: Optik.

Um die Situation vor der Kita-Faschingsfete nicht gleich eskalieren zu lassen, schnappe ich mir also unser Küken, schleife sie ins Kinderzimmer und knüpfe ihr zwei geflochtene Stummel-Zöpfchen – mehr geben ihre kurzen Haare noch nicht her. Aber das ist auch nicht weiter wichtig: Ihr Spiegelbild zaubert ein zufriedenes Grinsen auf die kleinen Lippen. Währenddessen dreht sich Pina im Glitzer-Elsa-Outfit vorm Spiegel, die Frisur sitzt und sie wirkt auf einmal wie eine halbstarke Partyqueen kurz vor ihrem ersten Samstagabendausflug. Halleluja – der Morgen ist gerettet. Dennoch kann ich mir nicht verkneifen, die beiden Ladys ins Gebet zu nehmen.

Ihr Lieben, ich freue mich, wenn ihr so viel Spaß an Kleidungsstücken und Frisuren habt. Aber eines muss ich euch nun wirklich sagen: Das Aussehen ist dermaßen egal! Hauptsache ist, dass ihr euch wohlfühlt in eurem Körper. Und vor allem, dass ihr von innen heraus schön seid.
Ein vollkommen desinteressiertes Ja-ja zwingt mich zu noch mehr Moralpredigt.

Hallo? Hört ihr mir zu? Ich will nicht, dass ihr zwei oberflächliche Mädchen werdet, die sich ausschließlich mit ihrem Aussehen und mit ihrem Spiegelbild beschäftigen. Ich wünsche mir, dass ihr rücksichtsvolle Menschen seid, die auf das Wohl ihrer Umgebung achten, die ehrlich sind, die sich für Schwächere stark machen, die andere akzeptieren wie sie sind – unabhängig von Klamotten und Styling. Und außerdem wünsche ich mir, dass ihr stets wissbegierig seid und viele verschiedene Sachen lernen wollt! Versteht ihr, was ich meine? (Okay, etwas dick aufgetragen, aber ich will, dass sie das alles wenigstens einmal gehört haben.)
Eifriges Kopfnicken. Ja! Natürlich! Gell, Mama, so wie ich den Marvin mal verteidigt habe, als keiner mit ihm spielen wollte. Da hab ich gesagt, doch, du darfst mitspielen.
Lächelnd bestätige ich Pinas Anekdote: Ja! Genau so, finde ich, sollte man mit offenen Augen durchs Leben gehen. Und wenn man immer in den Spiegel guckt, dann sieht man ja gar nicht, was andere gerade machen, sondern man sieht ja immer nur sich selbst. Das ist ja auch auf Dauer etwas langweilig. So, und jetzt verschwinde ich kurz im Bad, damit wir los können, ja?

Gesagt, getan. Ich biege um die Ecke – und höre, wie die beiden das Thema für sich noch einmal aufrollen. Pinaaa – bin ich schö-hön?
Pina dreht sich um: Ja, Lulu. Du bist schön. Aber weißt du, schön sein ist gar nicht so wichtig. So wie Mama gerade gesagt hat, hast du das nicht gehört? Die Kleider und so sind eigentlich egal.
Ich mische mich ein, glücklich über Pinas Ansage, und rufe aus dem Bad: Ja, richtig Schatz! Und was ist viel wichtiger als das Aussehen?
Prompt schallt es aus dem Flur zurück: Na, dass man auch cool ist!
Äh – fast. Nun ja. Ich hoffe, dass wir beide unter „cool“ ungefähr das verstehen, was ich eben gepredigt habe …

Eine schöne Faschingszeit
wünscht Friederike

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