ausgeplaudert

Kindliche Erfolgsstrategien

Erfolgsstrategien

Och Mensch, Mama, ich WILL aber die Seife haben!

Lulu ist stinkesauer. Auf mich und eigentlich auch auf den Rest der Welt. Der Grund: Ich habe ihr verboten, mit der Handseife unsere Holzplatten auf dem Balkon einzuschäumen. „Kaffee“ zu machen, wie sie sagt. Beleidigt schiebt sie ihre Unterlippe nach vorne, runzelt ihre kleine Stirn und guckt mich mit Verachtung an. Na gut, dann eben nicht. Ich sehe ein kleines Blitzen in ihren braunen Augen. Da hat wohl jemand eine gute Idee.

Während Lulu sich – das Verbot vermeintlich akzeptierend – wieder zu ihrer Kochstation auf den Balkon zurückzieht, wurschtele ich in der Küche weiter. Mit einem Auge unauffällig das Tun unseres Nesthäkchen beobachtend. Sie hat offensichtlich einen ähnlichen Plan, denn unsere Blicke treffen sich recht bald, sodass wir beide losprusten vor Lachen. Ich gebe also nach und widme meine volle Konzentration wieder auf die zu spülenden Vesperdosen vor mir.
Doch nur ein paar Minuten später schleicht Lulu mit großen Storchenschritten gaaaanz heimlich an der Küche vorbei in Richtung Bad. Stopp! Ich halte sie an. Wohin willst du? Deine Füße sind ganz nass! Sie guckt mich mit großen Augen an. Sagt erst mal nichts. Dann blinzelt sie betont unschuldig: Ich gehe NICHT die Seife holen, Mama. Amüsiert frage ich, was sie denn dann vorhabe? Schweigen. Winden. Zögern. Dann, vollkommen entnervt: Och Mann, Mama, ich gehe die Seife holen. Lachend gebe ich zu, dass ihr der Trick fast gelungen wäre. Aber ohne Seife kann man auch gut kochen.

Solche und ähnliche Szenen spielen sich zurzeit mehrfach täglich bei uns ab. Lulu setzt sich etwas in den Kopf, von dem sie eigentlich ganz genau weiß, dass sie es nicht zum Spielen haben kann. Und überlegt sich, wie sie dennoch an ihr Ziel gelangt. Großartig, ihre unterschiedlichen Strategien!

So legt sie mittlerweile in Sachen Zielführung noch eine Schippe drauf. Während ich im Bad stehe, ruft Lulu aus dem Kinderzimmer: MAAAMA, machst du die Kamera bitte in die Kiste. MAAAMA, machst du die Kamera bitte in die Kiste … Am laufenden Band. Ich gehe zu ihr und erfülle ihr den Wunsch. Lege Pinas Kamera, die hoch oben neben der Verkleidungskiste im Regal lagert, zu den Mäuse-, Piraten- und Feenklamotten. Auf mein „Warum?“ erhalte ich keine Antwort von Lulu. Nein, sie dankt artig und setzt sich triumphierend auf den Kinderzimmerteppich. Etwas irritiert gucke ich sie noch einen Moment an, doch nichts passiert, sie entlässt mich wieder gnädig ins Badezimmer.
Nur drei Minuten später ruft es schon wieder. MAAAMA, komm mal bitte. MAAAMA, komm mal bitte. Mit dem ihr eigenen Sprachrhythmus lockt Lulu mich erneut zu sich ins Zimmer. Ganz Herrin der Lage, zeigt sie mit ihrem Speckfingerchen auf die Verkleidungskiste unter der Decke und meint:
Holst du mir bitte die Kiste runter?

Raffiniert.

Klar, mein Schatz, gerne hole ich dir die Kiste runter. Ich nehme nur noch schnell die Kamera wieder raus …
Fiese Mutter. Lulus wahrhaft (!) verständlichen Wutausbruch über den misslungenen Kamera-Erfolg brauche ich erfahrenen Eltern gewiss nicht detaillierter schildern …

Viele Grüße
Friederike

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