ausgeplaudert

„Blitzpotz!“

Es geht weiter: Mit frischen Kräften starten wir ins neue Jahr und hoffen, auch Ihr konntet über die Feiertage richtig auftanken. Heute plaudert Friederike wieder aus ihrem Alltag. Viel Spaß beim Lesen!

Blitzpotz

Dies waren Pinas Worte, die sie in der Silvesternacht staunend ausrief, während sich der mitternächtliche Raketen- und Sternenregen im Glanz ihrer weit aufgerissenen Augen widerspiegelte.

Gerührt blickten ER und ich uns an: Typisch Pina! Von klein auf hat sie die Angewohnheit, Silben- bzw. ganze Wortteile zu verdrehen. (Für die Cineasten unter uns: ähnlich wie der Grieche Dimitri Stoupakis aus dem Film „Der Schuh des Manitu“.) Dank ihr existieren in unserer Familie nun eingefleischte Wortkreationen wie „Gelb-Ei“ oder „Saugstauber“. Vor kurzem saß sie beispielsweise am Küchentisch und meinte mit fast pubertärer Attitüde im Brustton der Überzeugung: „Maaamaaa … mir ist weilig-lang …“

Kindersprache bringt die Dinge – so alltäglich und banal sie auch sein mögen – so exakt auf den Punkt, wie es die Sprache der Erwachsenen durch verschleiernde Begrifflichkeiten teilweise gar nicht (mehr?) vermag. So sprach Pina lange Zeit von der „Schiebekiste“, wenn sie die Schubladen ihres Kleiderschranks meinte. Ein sehr treffender Ausdruck, oder? Wir freuen uns jetzt schon diebisch auf die Zeit, in der ihre kleine Schwester Lulu anfängt, ihre Sprache zu entwickeln!
Kindlicher Spracherwerb ist zuweilen auch poetisch: So werde ich nie den Moment vergessen, als Pina mit zweieinhalb Jahren auf der Schaukel am Spielplatz von mir angeschubst wurde, mit einem Mal auf die einzige bauschige Wolke am strahlend blauen Himmel zeigte und begeistert ausrief: „Mama! Guck! Ein Elefantenmond!“ Großartig.

Ganz oft bringen IHN und mich die Wortkreationen unserer Großen richtig zum Lachen. So wünschte sie sich zu ihrem dritten Geburtstag einen „Gummibällchen-und-Sankt-Marties-Kuchen“ und hat sich ihre klebrigen Hände stets am „Waschbeckchen“ sauber gemacht. Im Dienste der sprachlichen Förderung lasse ich in meine Antworten gerne den „richtigen“ Begriff einfließen, sodass sich derlei Wortspielereien mit der Zeit auch wieder legen – sie soll ja schließlich nicht mit „falschen Tatsachen“ aufwachsen.

Eine einzige Sache jedoch gibt es, die wir niemals korrigieren möchten, weil wir diese Wortschöpfung von ganzem Herzen lieben. Welche das ist? Pina kam just gestern wieder mit folgendem Wunsch zu mir: „Mama! Kannst du für Lulu und mich eine CD reinmachen?“

„Ja klar, welche denn?“

„Die Kinderlieder mit Rolf Kotzi!“

Grinsend lege ich die Platte im Wohnzimmer in die Anlage und flüchte mich nach hinten ins Arbeitszimmer. Rolf Zuckowski möge es mir verzeihen …

Ich wünsche Euch ein frohes 2014!
Viele Grüße
Friederike

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • :) das freut mich – witzig fand ich auch, als Pina eine Zeit lang felsenfest davon überzeugt war, dass ich mit “Nachnamen” “Rhabarber” heiße! (Mein Zweitname ist Barbara…)
      Liebste Grüße!

  1. Nach wochenlangem Musikrauschen im Hintergrund liegt der Name “Rolf Kotzi” viel mehr der Wahrheit nahe, als sein eigentlicher Name!

  2. Pingback: Spaßiger Spracherwerb | untermSofa

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